Herausforderung: Anschluss

Vorab: ich lebe hier jetzt halt in nem Dorf. Ich spreche Kiswahili noch ultra schlecht und die allgemeinen Englischkenntnisse würden Lehrer der neunten Klasse frustrieren. Zudem komme ich in meinem bisherigen Alltag wenig mit aus Taveta stammenden Gleichaltrigen in Kontakt.

Das alles führt dazu, dass ich im Moment außerhalb von Schule und treffen mit der Taveta Crew nichts zu tun habe und auch nicht wüsste, was man so unternehmen könnte.

Mein Plan/Mein Vorsatz an mich selbst ist, dass ich auf Konfrontationskurs mit neuen Leuten gehe. Ich werde mich die nächsten Abende einfach mal an die Straße setzen und Gitarre spielen, und interessierte Menschen auf mich zukommen lassen.

Denn ich bin nicht hier, um zu Hause rumzusitzen und zu lesen. Ich will neue Freunde finden und mich mit anderen Sichtweisen auseinandersetzen.

Zu diesem Zeitpunkt jedoch sieht es halt einfach so aus, als würde in Taveta echt nichts passieren. Es ist ein Dorf, aus dem man auszieht, oder Farmer wird. (Das ist natürlich eine Übertreibung, aber wenn ein*e hypothetische*r Besucher*in voll Bock auf Feiern hat, dann gibt’s in die Richtung gar nix).


Was ist also die vorzeitige Lösung, bevor ich mir hier ein soziales Umfeld aufgebaut habe?

Das nutzen, was ich bisher habe: Die anderen Freiwilligen! Den gestrigen Tag über haben wir auf erneutes gemeinsames Kochen zugearbeitet, am Markt Gemüse und Obst, Brot und Bohnen gekauft, uns in einem Restaurant bei der Premier League erfrischt und dann bei einem von uns den Herd angeschmissen und geschibbelt, was das Zeug hält.

Das Ergebnis konnte sich schmecken lassen: Gegen acht Uhr sind wir genießerisch über die ersten selbstgemachten Veggie-Burger hergefallen. Mit Patties, Soße und Salat-Ersatz. Boah, war das lecker!

Es sah leider nicht annähernd so wohlschmeckend aus, daher verzichte ich an dieser Stelle mal auf Bilder.


Die Kirche hat für viele Familien in Taveta nach meiner bisherigen Erfahrung einen hohen Stellenwert, auch für sozialen Anschluss. Heute habe ich meine Familie zur Kirche begleitet, und, sagen wir mal so, ich werde höchst wahrscheinlich nicht mehr mitgehen.

Ich durfte den Gottesdienst auf der Gitarre begleiten, aber auch wenn diese (ca. 15 Personen große) Kirchengemeinschaft besonders viel Wert auf Musik zu legen scheint, laufen leider alle Lieder auf den gleichen drei Akkorden, die in einem für mich bisher nicht entzifferbaren Rhythmus hintereinander gereiht sind, was das Mitspielen gleichzeitig schwierig und langweilig gestaltet.

Ich vertrete die Meinung, dass ich keiner Person vorschreiben kann, was diese zu glauben hat, und dass es keinen „richtigen Glauben“ gibt. Da sich die heutige Predigt ausschließlich darum drehte, wie „the correct faith“ aufgebaut, begründet und gelebt werde, habe ich auch ideologische Uneinigkeit mit dieser Kirche.

Also: Kirche, hoffentlich abgehakt!

Veröffentlicht von julian

Hi, I'm Julian (18yo) from Germany and currently staying in Kenya for a year.

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