„Home Sweet Home“

Wow, jetzt habe ich mir ja mal phänomenal viel Zeit mit dem Beitrag gelassen. Tut mir wirklich leid, dass ich interessierte Leser*innen mit einem, eines Staffelfinale würdigen, Cliff-hanger zurückgelassen habe.

Das wichtigste zuerst: ich bin jetzt seit ca. drei Wochen zurück in Deutschland. Kurz nach meinem letzten Post wurden wir von AFS aufgefordert, nach Nairobi zu kommen, obwohl der Flug selbst noch nicht fest stand, allerdings waren wir so schnell erreichbar.

Ich habe es auf den Tag genau geschafft, mich von allen Personen in Taveta zu verabschieden und ohne Stress meinen Rucksack zu packen, dafür bin ich sehr dankbar. Es hätte auch anders laufen können, entweder ein Anruf nachts: „Packt schnell, in drei Stunden werdet ihr abgeholt“, oder der Flughafen wird unerwartet geschlossen und plötzlich sitzt man eine Woche lang in der Hauptstadt. Beide Szenarien sind mir zum Glück nicht passiert, auch wenn vermutlich an vielen Stellen nicht viel gefehlt hätte, hätte nicht hinter den Kulissen (AFS, Botschaft usw.) jede*r sein*ihr Bestes gegeben, also vielen, vielen Dank.

Die paar Tage in Nairobi haben nicht viel daran geändert, dass mir die Situation bis zum Schluss im Flugzeug unwirklich vorkam, da es eine deutlich andere Welt, sowohl als Taveta, als auch Deutschland jetzt war. Denn was passiert, wenn man 25 verwirrte Freiwillige in ein ansonsten leeres und überraschend luxuriöses Hotel steckt? Die lassen es sich gut gehen. Und schlafen den ganzen Stress in GIGANTISCHEN Betten aus (ganz zu schweigen von den Warmwasserduschen).

Ich hatte zwischendurch das zweifelhafte Vergnügen, in einem sehr kleinen Waschbecken einige T-Shirts und eine Jeans zu waschen, da ich eher optimistisch als realitätsnah geplant hatte, aber das war dann wieder etwas näher am Freiwilligendienst dran und hat mich vom Room-Service-Trip runtergebracht.

Die Organisation des Rückflugs war ein wenig chaotisch, aber letztendlich sind alle Personen mit sämtlichen Gepäckstücken sicher zu Hause angekommen (beides stand zwischenzeitlich auf der Kippe).

Und jetzt genieße ich die Kontaktbeschränkung, so wie alle anderen auch. Mein Tipp, der hervorragend gegen Langeweile geholfen hat, ist, sich sofort eine Grippe einzufangen. Warum? Wenn man zwei Wochen im Bett liegt, will man gar nicht erst raus gehen, kann also nichts vernichten. Ich habe mich also damit beschäftigt, erst einmal wieder auf die Beine zu kommen, Coronatests machen zu lassen und Malaria auszuschließen. Aber jetzt bin ich wieder fit genug, um endlich einen vorerst abschließenden Artikel zu schreiben.

Die nächsten Wochen und Monate werde ich damit verbringen, wirklich gut im Gitarre spielen zu werden und so viel zu laufen, wie noch nie zuvor. Arbeiten darf ich nach einer eigenartigen Regelung nicht, also werde ich mir kleinere Beschäftigungen suchen. Was macht ihr so in der plötzlichen Zeitfülle?

Das wäre es von mir, habt wie immer einen schönen Tag und BYE!

Ungewisse Zeiten

Hey allerseits!

Ich habe mich jetzt eine Weile lang darum gedrückt, diesen Eintrag zu schreiben, aber ich habe es jemandem versprochen, es spätestens heute zu tun, von daher: bitte sehr.

Mir liegt ein ganz besonderes Thema auf den Lippen, na, wer kann es erraten? – Genau, Covid-19. Ich weiß, im Moment redet die ganze Welt über nichts anderes, aber leider hat es für mich gerade deutlich realere Konsequenzen, als dass die Bundesliga gecancelt wurde (tut mir für all jene leid, die ebenfalls schwerer betroffen sind).

Kenia hat seit Freitag morgen einen bestätigten Fall des Virus, das ließ das Ministry of Health verkünden und den gesamten restlichen Tag wurde über nichts anderes mehr geredet, allerdings sehr viel im Scherz. Zum jetzigen Zeitpunkt sind es meines Wissens nach drei Fälle, seit heute sind sämtliche Schulen (außer Internaten, die folgen am Mittwoch) und Unis geschlossen, öffentliche Veranstaltungen abgesagt und Empfehlungen ausgesprochen, möglichst isoliert zu bleiben. Dieses Durchgreifen ist meiner Meinung nach gerade energisch genug, denn sollte hier ein ähnlich exponentieller Anstieg der Infizierten stattfinden, wäre das kenianische Gesundheits- und Intensivpflegesystem noch hoffnungsloser unterlegen als in beispielsweise Italien. Ich hoffe, dass durch die getroffenen Maßnahmen die Ausbreitung so verlangsamt werden kann, dass sich die Pflegebedürftigen auf eine größere Zeitspanne ausbreiten und so genug Personal und Ausrüstung zur Verfügung steht.

Einer Meinung nach steht Kenia jedoch noch ein weiteres gigantisches Problem bevor. Es werden hier nämlich unglaublich viele Fehl/Missinformationen gefunden, welche simple Diagnose- und Kuriermethoden bewerben. Meine Bitte an alle Leser. Ich kann Fake News (or however you wanna call it) nicht ab, also faktencheckt bitte alles was ihr postet und weiterleitet bei kompetenten Quellen.

Aber was hat das alles nun mit mir zu tun? Naja… am Sonntag habe ich zusammen mit sämtlichen anderen Teilnehmern von Austauschprogrammen meiner Organisation, AFS, bekommen, und nicht gerade mit erfreulichen Neuigkeiten. Wir werden in den nächsten Wochen alle nach Deutschland zurückzukehren!

Ja, richtig gelesen. Mein Auslandsjahr ist vorzeitig beendet, es sind also meine Auslandssiebenmonate. Wie kann ich darüber noch Witze machen? Das ist eine exzellente Frage, und ich vermute, dass die Antwort darin besteht, dass ich es noch nicht vollständig verarbeitet habe und die Realität noch nicht durchgesetzt hat.

Zudem habe ich noch keine Daten bezüglich des genauen Termins, also kann es sich noch um Tage oder mehrere Wochen handeln. Eine längere Wartezeit ist jedoch sehr unwahrscheinlich.

Wie kann etwas, worüber ich vor einer halben Woche noch ganz entspannt ein paar Witzelchen gerissen habe, mich plötzlich aus meinen gesamten Plänen, meinem Umfeld und meiner Denkweise reißen? Ich habe keine Ahnung. Und ich bin mir nach wie vor nicht sicher, wie ich mich diesbezüglich fühlen soll, ich glaube verwirrt und ‚Hggggggg‘ trifft es am besten.

Von daher liege ich jetzt im Bett, nachdem ich mir genügend Zeit genommen habe, den grandiosen Sternenhimmel zu genießen, und höre „Pull Me Under“ von Dream Theatre (unterschwellige Prog-Metal Empfehlung verbreitet? Check!)

Tja, ich würde mal sagen, das war’s. Man sieht sich (früher als erwartet)

Couchsurfing and Funerals

Alright, since I don’t know what to write about really, I’m just gonna put out a post in English, so I can summarize some stuff of the past few months and don’t have to write a couple of paragraphs about how literally nothing has happend for one or two weeks.

Yeah… I’m still alive, I guess, it’s March by now which is unbelievable in itself. I mean in about four months I’m back again. So now I’m slowly starting to think about how I’m going to spent the ever so fast shortening time of my volunteer year. One thing’s for sure, I’m gonna keep posting some sweet (or not, depending on what you think of it) poetry out there and continue shredding my guitar, so I’ll be an absolute beast on the fredboard when I’m back.

Two weeks ago I spent a short vacation in Tanzania; visited the cities Arusha and Mto wa Mbu (kisw. for river of mosquitoes, which is no understatement). That was one hell of a week, and left a very positive image of Tanzania. One thing I can absolutely recommend if you’re going traveling is to use Couchsurfer. Especially if you’re new somewhere and might be interested in someone showing you around in a non-tourist way, maybe you’re want to have someone to cook with or you just want to create a world-wide-web of friends, so far I’ve exclusively made positive experiences (sometimes a little weird as well, but still in a positive way). But what I’d figure would be safest is to not travel alone, since in Couchsurfer there is a lot of trust involved. And a group of four or five might be a problem for most hosts. So no matter what I say, stay safe please.

Oh, and if you’re bored often and have a spare room/bed/couch/mattress on the floor, why don’t you put it on their website and get to know some folks from all over?

Taveta is still the same sleepy village/town hybrid as always, and I’m still hopelessly searching for fellow guitarists out here to jam with, ‚cause that’s something I’ve missed a lot so far.

I have found a cause in my project, that being trying out different ways to prevent the use of corporal punishment (beating the kids with canes until they brake [the kids as well as the canes]). After a rather aggressive approach of cutting in between had some unpleasant responses within the staff I’m now trying to cooperate with them to figuring out alternative, more productive and (for me) morally acceptable punishments, which is hopefully going to work. Still I’d wish to have an immediate response, but that would probably generate more problems than I’m trying to solve. If you have any suggestions, I woul be very glad!

Tomorrow the funeral of a widely known member of the community will take place and I will attend to wish the family my condolences. Funerals are a major social event, as far as I have experienced in my time here, so I am looking forward to it, despite the devastating occasion.

I can count myself very lucky to be in Kenya right now, since there hasn’t been a single case of the COVID-19 in the country.

This is pretty much rounding up everything, so bye bye!

Land of noise (Poem)

Oh, what a strange feeling has befallen me within

Obscure pressure has me jump out of my skin

Oh, what had me thinking, stretching out my curious hand

Now I’m stuck here waiting in this ever noisy land.


The young ones pollute the silence with mere sounds, just vowls

And once they’ve grasped their language, I still don’t get their growls.

You’d say the solution’s easy, just get English-speaking friends

But of those who seemed quite capable only very few made sense.


So this is my mental downfall and it has a huge extend

‚Cause even my English level is not where I had planned.

Eine Grenze überschritten?

Hallihallo. Jetzt ist der letzte Post wirklich eine ganze Weile her, aber ich habe eine gute Entschuldigung dafür. Ich befinde mich nämlich gerade in Arusha, Tansania, und musste erstmal einen Weg ins Internet finden. Hupsi, wie bin ich da nur hingeraten?

Kreisel in Arusha, Tansania

Im letzten Beitrag habe ich ja mein 1-Jahres-Visum abgeholt und dadurch kann ich jetzt das land verlassen, ohne mir ein neues Visum für Kenia bei der Rückreise kaufen zu müssen. Also dachten sich Heiner und ich, dass wir die erstbeste Gelegenheit nutzen (diese Woche sind Schulferien) und über die Grenze tuckern können. Couchsurfer organisiert, an der Grenzstation ein unverschämt teures tansanisches Visum gekauft und ab geht die Fahrt.

Und ich muss echt sagen, ich bin wäre wirklich gerne Freiwilliger auf dieser Seite der Grenze. Es wird immer gesagt, Kenia sei wohlhabender als Tansania, die Bildung wäre im Nachbarland nicht so gut, Englischkenntnisse, wenn überhaupt vorhanden, so sporadisch, wie möglich. Aber die Straßen in Arusha sind deutlich sauberer als die der meisten kenianischen Städte, die ich bisher besucht habe. Manche Autofahrer halten für Fußgänger an! Und es gibt Stadtparks mit PARKBÄNKEN, ich liebe Parkbänke (In einem Dorf sind die leider nicht übermäßig vertreten).

Und Arusha hat auch einiges zu bieten: Heiner und ich haben das Arusha National Natural History Museum besucht, wo man neben einer Ausstellung über die (unfassbar grausame, aber trotzdem umstrittene) Rolle der Deutschen in der Kolonialzeit auch eine große Anzahl an Fotografien der Flora und Fauna Tansanias und eine Evolutionsaustellung findet.

Ausstellung von archäologischen Fundstücken im ANNHM

Dieses Museum ist jedoch nichts im Vergleich zum Cultural Heritage Center, einer Kunstausstellung mit Werken von über 1500 Künstlern des gesamten Kontinents. Hier lasse ich einfach mal die Bilder sprechen.

Gemälde des täglichen Lebens
Innengestaltung des Cultural Heritage Center
Traditionelle Waffen, Werkzeuge und Gegenstände zeremonieller Bedeutung
Fotorealistische Ölgemälde

Die Schule läuft einigermaßen stabil, auch wenn auch hier die Überschrift zutrifft. Ich muss meine Strategie in Sachen Caning schleunigst ändern; meine Schulleiterin hat nämlich um ein Treffen mit meinem Coordinator und mir gebeten. Mal schauen, was dabei rauskommt.

Jetzt warten wir auf den Bus nach Mto wa Mbu [kisw.]= „der Fluss der Mücken“, das soll eine wirklich schöne Stadt sein. Ich vermisse Karneval! Bis zum nächsten Mal.

Hin und zurück

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, der Wochenendsbesuch in die Bananenfarmen. Das war es für den Rest der letzten Arbeitswoche auch mit außergewöhnlichen Aktionen.

Der Schulalltag ging geregelt vonstatten, ich habe in meiner freien Zeit ein paar Bücher gelesen, unter anderem „T Stands for Tree“, ein unglaublich schönes Buch. Nachmittags haben die Kinder aus der ersten Klasse begonnen, zu mir in die Bibliothek zu kommen, damit ich mit ihnen gemeinsam lese. Das hat mir wirklich Spaß gemacht, und auch wenn es auf die Dauer anstrengend wurde, war es die nach schon kurzer Zeit sichtbaren Fortschritte wert.

Ende letzter Woche ist Daniel Toroitich arap Moi, der zweite Präsident Kenias, gestorben. Er hatte mit 24 Jahren die längste Amtszeit seit der Unabhängigkeit. Obwohl er eine wirklich umstrittene Person war und in vielen Aspekten sehr undemokratisch gehandelt hat, zum Beispiel hat er Regierungskritiker des Landes verbannt oder sich Teeplantagen für seinen Privatbesitz unter den Nagel gerissen, wird er jetzt mit einem gigantischen Aufwand gefeiert. Für fünf Tage hingen alle Flaggen vor Regierungsgebäuden auf Halbmast und heute wurde zum öffentlichen Feiertag erklärt.

Sonntag und Montag waren jedoch ein wenig ereignisreicher; ich durfte schon wieder nach Nairobi. Dieses Mal nur für die Visa (das ist wirklich ein Getue) und es wird leider nicht das letzte Mal gewesen sein, aber das war es wert, denn jetzt darf ich nach Tansania reisen. Die Hin- und Rückfahrt war ein absoluter Albtraum; meine Highlights: zwei Stunden warten, bis der gebuchte Bus kommt, die Musik, das Matatu hat einen schwerwiegenden Motorschaden und nach eineinhalb Stunden in der Pampa rumstehen quetschen wir (15 Leute) uns in ein anderes, vorbeifahrendes Matatu. Gesamtzeit Hinfahrt: 11h. Rückfahrt: 13h (Wartezeit mit eingeschlossen).

In Nairobi selbst habe ich mir ein Sakko gekauft über welches ich mich sehr freue und ich habe bei einem der vielen Bücherstände auf der Straße einen Stapel Comics entdeckt und zwei mitgenommen.

Und jetzt die größte Neuigkeit der Woche: ich habe noch eine Gastnichte bekommen. Die Frau meines Gastbruders hat am Freitag Abend ihre Tochter Judy zur Welt gebracht, so unglaublich süß das Baby.

Bye bye

Shambas

Ich glaube, jetzt bin ich langsam echt auf einen Post pro Woche umgestiegen. Tut mir wirklich leid, aber so viele mehr schlechte als rechte Gedichte kann ich gar nicht schreiben, wie es für den Doppelrhythmus notwendig wäre.

Die letzte Woche habe ich zwar wieder in Taveta verbracht, es jedoch nicht wirklich Alltag, da ich Jula aus Bungoma als Gast hatte. Am Donnerstag und Freitag hat sie mich in die Schule begleitet, ich habe ihr ein wenig von den Eigenheiten meiner Kolleg*innen erzählt, und wir sind verdammich viel spazieren gegangen. Am Samstag haben wir zusammen mit Heiner und Jana den Markttag ausgenutzt, viel zu viel Geld für Stoffe und second hand Klamotten ausgegeben und sind danach noch für zwei Billardspiele nach Town gefahren (die Möglichkeit hat Heiner vor einiger Zeit entdeckt; es ist auf jeden Fall ein Ort, dem ich noch das ein oder andere Mal einen Besuch abstatten werde).

Tavetas „soko juu“ (upper market)

Der ursprüngliche Plan für Sonntag war, dass wir, mal wieder, zum Lake Challa laufen und dort einen schönen Tag verbringen. Das hielt das Wetter für eine schlechte Idee; es hat den gesamten Vormittag durchgeregnet (und dabei soll es gerade brütende Trockenzeit sein, danke Klimawandel). Der Alternativplan war ein Spielenachmittag, jedoch wollten Jula und ich sowieso Michael (meinen besten Freund in Taveta) besuchen, und sind letztenendes fünf Stunden lang, mit einigen Pausen, mit ihm durch die Shambas ([kisw]=Farmen) gelaufen.

Das war auch nochmal ein komplett anderes Taveta, als das, was ich bisher kennengelernt habe. Michael selbst ist Farmer und besitzt einige Shambas, daher kannte er sich in der Gegend wahnsinnig gut aus und konnte uns allerlei Menschen vorstellen. Natürlich kommt man sich in diesen Situationen immer sehr wie auf dem Präsentierteller vor und muss sich sehr darüber im Klaren sein, wie man auf die Gegenüber wirkt, beziehungsweise wie man diese selbst wahrnimmt. Michael ist jedoch in der Lage, gut zu erkennen, wann sich eine Person unbehaglich fühlt und kann die entsprechende Situation mit bewundernswerter Eleganz auflösen. Zudem konnten Jula und ich an diesem Tag ein gewisses Maß an uns unangenehmer Aufdringlichkeit ertragen.

Tja, ich melde mich wieder, wenn’s mal was wirklich spannendes zu erzählen gibt, gute Nacht!

Back to the Capital

Ja hallo allerseits und willkommen zurück. Es gab jetzt ja eine grandios lange Pause, dafür muss ich mich entschuldigen. Letzte Woche ist bis Freitag einfach wirklich gar nichts mehr passiert und ich hatte leider kein Gedicht mehr auf Vorrat. Freitag morgen bin ich ganz normal aufgestanden, dann habe ich mich jedoch, anstelle zur Schule zu gehen, an die Hauptstraße gestellt und bin mit einem Matatu zuerst nach Voi und dann nach Nairobi gefahren.

Dort haben sich nämlich alle AFSler*innen aus Kenia, die ein volles Jahr machen und nicht unglücklicherweise erkrankt sind, zum sogenannten Midstay Camp getroffen, Halbzeit des Aufenthalts.

Beim, nebenbei bemerkt sensationell guten Abendessen, konnte gefühlt niemand ausreden, so viel wollte jeder von uns erzählen. Es war ein kolossales Durcheinander, war jedoch überwältigend, diese mittlerweile so intensiv ineinander verzweigte Gruppe wieder vereint zu sehen. Das Highlight war, dass wir Besuch von einem unserer Teamer aus der Vorbereitung in Deutschland bekommen haben. Er hat uns Schwarzbrot und Aufstrich mitgebracht, aber das wurde natürlich durch seine Anwesenheit komplett in den Schatten gestellt (war aber trotzdem sehr nett).

Nachdem wir durch das dort verfügbare WLAN vermutlich alle nicht soooo lange geschlafen hatten und Frühstück mit getoastetem Toast und Omlettes genossen haben, ging es mit einer Begrüßung der AFS-Kenia Mitarbeiter*innen und Freiwillig*innen los, wonach jeder aus der Gruppe eine bis 15-minütige Presentation hielt, welche die allgemeinen Erlebnisse in Projekt und Gastfamilie, aber auch schon Probleme und Herausforderungen thematisierten.

Ich bin sehr positiv überrascht von der Stimmung, die auf dem Seminar geherrscht hat. Ich hatte leider erwartet, dass viel unterschlagen und ein falsches alles-ist-okay-Lächeln gezeigt wird, aber die meisten haben das, was ihnen wirklich gegen den Strich ging, ob von AFS verschuldet oder nicht, offen ausgesprochen. Wir haben noch mehrere Einheiten mit jeweils speziellerem Fokus behandelt, unterbrochen von wahnsinnig gutem Essen und endlich wieder herausfordernden Gesprächen. Unsere Gruppe ist wahrscheinlich als Seminargruppe echt anstrengend, weil wir jede Anregung nochmal in Zwei- oder Dreiergruppen besprechen, aber dadurch haben wir mal wieder echt viel voneinander erfahren.

Ich habe multiple Strategien mitgenommen, bezüglich sowohl der Freizeitbeschäftigung als auch Wege, wie ich aktiv die körperlichen Bestrafungen an meiner Schule angehen kann und kann es kaum erwarten, sie umzusetzen. Gleichzeitig ist meine Einstellung gegenüber Taveta mal wieder an einem Tiefpunkt angekommen, eben weil ich realisiert habe, wie grauenhaft das Projekt in dem momentanen Zustand ist, aber das wird hoffentlich nicht von Dauer sein.

Ich muss im Lauf der nächsten beiden Monate noch zwei Mal nach Nairobi für den Langzeitvisumsantrag, ich freue mich natürlich auf die Fahrkosten, allerdings werde ich so die Möglichkeit haben, bei meinen Gastbrüdern und einem Freund in Nairobi vorbeizuschauen.

Am Montag bin ich dann mit Jula, der Freiwilligen aus Bungoma, die wir hier besucht haben, sehr lange nach Wundanyi, einer etwas größeren Stadt im Taita-Taveta County gefahren und haben Rike, die Studentin aus diesem Beitrag, wer sich erinnert, besucht.

Heute haben wir den größten Teil des Tages rumgehangen und gequatscht, Rike und ich haben ein wenig Gitarre gespielt und sind zum Markt in Wundanyi gegangen. Ich habe mir endlich ein Schnitzmesser kaufen können und bin sehr froh darüber. Außerdem habe ich mich dazu überreden lassen, mir zwei Extension-Strähnen einflechten zu lassen, die Rike noch übrig hatte, eine in schwarz und eine in weiß.

Ich hoffe, dieser Eintrag hat euch ein wenig für die lange Wartezeit entschädigt. Hier noch eine Bandempfehlung: Dream Theatre.

Impropädagogik

Tja, worüber schreibe ich denn jetzt mal wieder? Ich bin wieder vollkommen im Alltag aufgesetzt, das bedeutet jeder Tage gestaltet sich in etwa gleich.

In der Schule habe ich zwischen einer und fünf 35-Minuten Stunden, bringe ab und an meine Gitarre für Musik mit und laufe ansonsten sehr viel mit den Kindern. Dabei ist es so warm, dass ich mir immer ein extra T-Shirt in die Schule mitnehme, da mein Hemd gefühlt schon nach dem Hinweg durchgeschwitzt ist. Wenn ich keinen Unterricht habe, öffne ich, wenn es Sinn ergibt, sprich Kinder da sind, die Bibliothek, ansonsten erledige ich kleinere Aufgaben für meine Kolleg*innen.

Heute habe ich beispielsweise vier Zahlenreihen von 1-50 auf den Boden der 2. Klasse gemalt, da die Klassenräume interaktiver gestaltet werden sollen. Jetzt können die Kids zählend die Linie entlanghüpfen. Heute habe ich zudem ausprobiert, den Kindern an der Bibliothekstafel tägliche Zeichenaufgaben zu stellen. So habe ich heute „Please draw a car“ oben hingeschrieben. Das hat einigen Schüler*innen sehr viel Spaß gemacht.

Manchmal habe ich auch gar nichts zu tun, gestern habe ich dann beispielsweise ein wenig versucht, über Quantenmechanik zu recherchieren, nachdem ich ein Hörbuch namens „Spiegel“ der chinesischen Autorin Cixin Liu gehört hatte, worin durch einen Super-String-Computer ausgehend von der Singularität des Urknalls die gesamte Geschichte unseres Universums berechnet wird, der Protagonist also „in die Vergangenheit und Gegenwart blicken konnte“. Die grundlegende Idee eines zutiefst deterministischen Universums fand ich zutiefst faszinierend, aber noch mehr hat es mich erstaunt, wie wenig ich über Astrophysik weiß. Das wollte ich prompt nachholen, und jetzt habe ich Kopfschmerzen. Na toll.

Der Einsatz des Rohrstocks ist leider nicht zurückgegangen….keine Ahnung, was ich dazu noch sagen soll.

Am Freitag geht es mal wieder auf große Fahrt, erneut nach Nairobi. Bis Montag haben wir das sogenannte Midstay Camp, wo die Freiwilligen, die ein ganzes Jahr hier verbringen, zusammenkommen und einen Zwischeneindruck abgeben und hoffentlich neue Impulse bekommen. Danach bin ich bis Mittwoch in Wundanyi, das ist eine semi große Stadt in Taita, und danach geht es wieder zurück nach Taveta.

Alltagsherausforderungen

Uff, die letzten Tage war ordentlich was los, das hat mich so sehr auf Trab gehalten, dass ich kaum die Chance zu schreiben hatte. Naja, ich selbst habe gar nicht so viel gemacht, aber es sind nochmal ein ganzer Haufen neuer Eindrücke dazugekommen. Fange ich jetzt beim positiven oder beim negativen an?

Am besten bei den üblen Erfahrungen, dann hab ich sie hinter mir. Am Sonntag bin ich zum ersten Mal in eine kenianische evangelische Kirche gegangen, in der Hoffnung, dort einen für mich angenehmen Gottesdienst zu erleben. Da wurde ich schwer enttäuscht, da es eine evangelikale Kirche war, womit ich mich nicht identifizieren kann. Das hat mich direkt in eine Glaubenskrise gestürzt,  ich in meinem letzten Eintrag (hier) sehr dramatisch thematisiert habe.

Punkt zwei: diese Woche ging in meiner Schule das große Schlagen wieder los. Ich habe jeden Tag miterlebt, wie die Schüler*innen den Rohrstock zu spüren bekamen. Das hat mich, wenn man es untertrieben darstellen will, ein wenig gereizt, und ich habe vermutlich einen Großteil der Arbeitszeit damit verbracht, mit ein paar Lehrerinnen zu diskutieren, ob das gerechtfertigt sei, oder nicht.

Ich bin in diesem Punkt absolut unnachgiebig und vertrete die Überzeugung, dass man, sobald man nur ein Mal die Hand gegen ein Kind, ein Schutzbefohlenen, erhebt, das nicht kleinreden kann, in meinen Augen ist das Kindesmisshandlung. Mit der Einstellung stehe ich hier im Gegensatz zur gesellschaftlichen Meinung. Ein Argument, welches meine Kollegen aufgeführt haben und bei welchem ich ihnen tatsächlich zustimmen muss (was trotzdem nichts an meiner Einstellung ändert), ist, dass sie keine realistische andere Möglichkeit haben. Gesetzlich ist ‚corporal punishment‘ in Kenia kriminalisiert, jedoch wird das nicht wirklich durchgesetzt und vieles wird unter den Tisch gekehrt (wenn die Kinder ins Lehrerzimmer kommen, wird der Vorhang zugezogen). Die Regierung empfiehlt ‚councelling‘, was auf dem College jedoch nicht gelehrt wird, die Lehrer*innen sind also nicht dafür ausgebildet. Da die Noten rein darauf basiert, wie man in Multiple choice test, die über das Jahr verteilt sind (das ist in Kanada zum Beispiel auch so), gibt es auch nicht die Möglichkeiten, die die mündlichen Noten in Deutschland bieten. Die Lehrer haben entweder nicht die Zeit oder sie nehmen sie sich nicht, sich um die Störenfriede zu kümmern und dadurch scheint ihnen ‚caning‘ als die einzige, aber auch die einfachere (nicht meine Worte, sondern von mehreren Lehrerinnen), Lösung.

Und jetzt noch ne kleine nervige Sache; meine Hostmom kann sich meinen Namen immer noch nicht wirklich merken und nennt mich u.a. ab und an Juan, oder, wenn sie über mich spricht, natürlich Mzunguu.

Aber jetzt das, was mich diese Woche wirklich glücklich gemacht hat: ich liebe es, wenn ich den Schulkindern etwas mitgeben kann. Viele Achtklässler kommen in die Bibliothek und stellen mir Fragen in Mathe, manche Fünftklässler lesen vier (Kinder-)Bücher am Tag. Ich habe ab und an ein Stück Kreide herumliegen und ein Kind hat angefangen an der Bibliothekstafel zeichnen zu üben. Am liebsten sind mir jedoch die Kinder, die seelenruhig in die Bibliothek kommen, sich wortlos hinsetzen und zu lesen beginnen. Wenn ich mal wieder aufstehe und die Bücher wieder ordentlich sortiere, stehen manche ohne Kommentar auf und helfen mir. Einige haben selbst neue Wege gefunden, die Bücher zu arrangieren. Zu beobachten, wie eingenommen die Kinder von dieser Art Tätigkeit sein können ist faszinierend, und einfach großartig.

Ich bin diese Woche endlich mal wieder mehr zum Gitarre spielen gekommen und ich fühle es immer direkt, wenn ich mehr übe. Ab jetzt wird wieder geshredet.

Und mit meinem Gastvater verstehe ich mich nach wie vor großartig. Er ist ein sehr höflicher Mensch und das ist jedes Mal, wenn er eben nicht seine altersgegebene Autorität (als 90jähriger ist die beachtlich) ausnutzt, sondern einen als gleichgestellt behandelt, eine Freude.

Ich hoffe, ich konnte euch ein einigermaßen umfassendes Update über die momentanen Geschehnisse geben. Man sieht sich!

(oder auch nicht, ist immer noch ein Blog).

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