Wenn man durch Taveta spaziert, dann fällt einem eines sehr schnell auf: Jeder begrüßt jeden! Hände winken hier und dort hin, auf vier verschiedenen Sprachen (Englisch, Kiswahili, Kitaveta & Kitaita) werden sich Begrüßungsfloskeln an den Kopf geworfen und man hat das Gefühl, jeder kennt jeden.

Meine Favoriten in Sachen Begrüßung:

  • Umeshindaje = Wie war dein Tag? Antwort: Salama = Friedlich!
  • Mambo/Vipi (Slang) = Was geht? Antwort: Poa Poa = Cool Cool!
  • Habari ya asubuhi/mchana/jioni/usiku? = Wie geht’s morgens/mittags/abends/nachts? Antwort: Mzuri = Gut!
  • Shikamoo (Gruß an ältere) = Ich respektiere dich! Antwort: Marahaba = Ich akzeptiere deinen Respekt.

Mit dem Vokabular kann man sich schonmal eine Straße entlanggrüßen. Viele Leute reagieren sehr positiv, wenn man sie als offensichtlicher Ausländer in ihrer Sprache anspricht.

Worauf man jedoch ebenfalls gefasst sein muss, besonders hier auf dem Dorf, ist, Mzunguu (Weißer) hinterhergerufen zu bekommen. Mir ist es schon passiert, dass ein paar Kinder dann zwei Minuten, bis ich außer Sichtweite war, Mzunguu über die Straße gebrüllt haben. Zudem kriegt man häufig eine stark akzentuiertes „How are you?“ zu hören, wenn man „Fine and how are you?“ antwortet, bleibt das Gegenüber jedoch still. Ein letzter Eindruck beim puren Spaziergang ist, dass vereinzelt, aber nicht selten Menschen auf mich zugekommen sind und gefragt haben: „Can you give me money?“, und Kinder schon zwei oder drei Mal „Sweets Sweets Sweets Sweets Sweets!“ geschrien haben.

Ich habe eine gespaltene Meinung dazu:

  • Zum Einen missfällt mir diese gesonderte Aufmerksamkeit, die mir zuteil wird, und das schon aggressive Betteln sehr. Ich verdiene weder eigenes Geld, noch habe ich für dieses Jahr unbegrenzte Mittel.
  • Aber es geht über Unbehagen hinaus: Ich habe vor, in Taveta zu leben und mehr zu sein, als nur Tourist.
  • Zudem ist ein Grund für mein Auslandsjahr unter anderem der Abbau rassistisch geprägter Vorurteile. Ich möchte an mir arbeiten, damit ich Individuen nicht in solch oberflächliche Kategorien einordne, und wenn doch mich emotional von dieser Kategorisierung distanzieren kann. Doch jetzt begegne ich, wie es mir bisher scheint, einem ganzen Kulturkreis, der mich von vornherein abstempelt und immer auf Basis dieses Ersteindrucks bewertet.

Auf der anderen Seite kann ich die Gegenargumente gut verstehen:

  • Die ersten Touristen handelten genau so, wie ich nicht gesehen werden möchte; haben mit Geld und Süßigkeiten um sich geworfen als wäre Karneval und haben den Eindruck hinterlassen, nicht Willens zu sein, die örtliche Sprache zu erlernen.
  • Mzunguu ist an sich in keinster Weise negativ konnotiert, nur ich empfinde es so. Die meisten Leute freuen sich sogar sehr, mich zu sehen, da eine Person weißer Hautfarbe internationales Interesse an Taveta symbolisieren könnte.
  • Das Wort ist einfach fest im Wortschatz betoniert, wird auch noch aktiv benutzt.
  • Es besteht (fast) kein rassistischer oder diskriminierender Hintergrund, nicht so, wie wenn das Verhältnis von dunkler zu heller Hautfarbe umgekehrt ist.

Der Umgang, den ich für mich beschlossen habe, ist, dass ich nicht jedes Mal ausflippen werde, wenn ich Mzunguu genannt werde. Ich habe vor, wenn sich die Gelegenheit ergibt, klarzustellen, dass ich das Wort nicht mag, und meinem Gegenüber anzubieten, mich beim Namen zu nennen. Ich werde weiter eifrig Swahili lernen, damit ich unter anderem Verkäufer aus den Socken hauen kann, wenn sie mir was zu Touristenpreisen verkaufen wollen.

Alles in allem hoffe ich, dass in einer fernen Zukunft Hautfarbe keine Rolle mehr spielen wird, aber so lange das noch nicht der Fall ist, versuche ich, von meinen Erlebnisse möglichst differenziert und respektvoll zu berichten. Wenn ihr denkt, ich könnte jemandem auf den Schlips getreten sein, oder wenn ihr eigene Gedanken zu dem Thema habt, schreibt nen Kommentar und lasst mich daran teilhaben. Nur eins vorweg: Nazis werden blockiert!

Kwa heri!

Veröffentlicht von julian

Hi, I'm Julian (18yo) from Germany and currently staying in Kenya for a year.

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