Und jetzt die kenianischen Weihnachten

Tja, der letzte Eintrag kam am Dienstag, da habe ich selbst aber noch gar nicht gefeiert. Am 25. war das große Fest endlich gekommen, heiß ersehnt von meinen Gastneffen. Am Morgen stand ich auf und habe mir erstmal meine besten Klamotten angezogen, konnte mich jedoch nicht waschen, da alle großen Schüsseln gerade zur Kleiderwäsche verwendet wurden, was mich gewundert hat, da mir vorher erzählt wurde, an Weihnachten arbeite man überhaupt nicht.

Als ich zum Haupthaus kam, erklärte sich einiges. Alle anderen hatten richtige Wegschmeißsachen an, denn am Vormittag geht es ans Eingemachte, bevor man anfängt zu feiern. Hinter dem Kuhverschlag gibt es eine kleine Lichtung, wo Palmenblätter ausgelegt und Töpfe bereitgestellt wurden. Damit das Ziegenblut nicht die Erde durchtränkt und man abgeschnittene Gliedmaßen und Fleischstreifen sofort kochbereit machen kann. Genau, wir haben eine Ziege und mehr Hühner, als mir lieb gewesen wären, geschlachtet. Weitere Details erspare ich euch lieber, ich habe von dem Fleisch jedoch nichts gegessen. Das kam größtenteils dadurch, dass ich grundlegend schon sehr ungern Fleisch esse und jetzt halt genau wusste, woher es kam, allerdings schmeckte mir das Probierstück, zu dem ich mich überwunden habe, mir nicht geschmeckt hat, und dass das Fleisch ohne es zu waschen gegrillt und gekocht wurde, man also später Ziegenhaare finden und den Gedanken an einen entleerten Darm nicht verdrängen konnte. Jetzt habe ich euch doch mehr erzählt, tut mir leid. Ich hoffe, ihr esst gerade nicht.

Ursprünglich hatte ich mir für den Abend vorgenommen, mit einem meiner Gastbrüder in die Stadt zu fahren und ein wenig (mehr) zu feiern. Der ist dann leider, gerade als ich mir ordentliche Klamotten angezogen habe, ohne ein Wort verschwunden, also habe ich mich mit einem Mitfreiwilligen getroffen und wir haben Taveta mal von einer deutlich energetischeren Seite erlebt. Zusammen mit unserem Lieblingsbodafahrer ging’s dann schon ordentlich ab. Dabei habe ich entsetzt festgestellt, dass mir die lokale Musik nicht mehr so stark auf die Eier geht, wenn die Person, die den Speaker eingestellt hat, das nicht blind und taub gemacht hat.

Der heutige Tag war dann doch wieder eintöniger, was aber gar nicht so schlimm ist, da immer noch viele Leute meine Gastfamilie besuchen und ich mich ab und an zurückziehen und dafür sorgen kann, dass ich kein Fieber kriege (wenn man so lange von sabbernden, rotzenden und hustenden Kindern umgeben ist, muss man, glaube ich, krank werden).

Wir hören uns am Wochenende wieder, Bye Bye

PS: ich rufe euch alle übrigens dazu auf, mir nicht zu glauben, sollte ich den Anschein machen, etwas Allgemeines vermitteln zu wollen. Wenn es dazu kommt, ist das ein Versehen oder Ironie (oder etwas dazwischen).

Veröffentlicht von julian

Hi, I'm Julian (18yo) from Germany and currently staying in Kenya for a year.

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