Moin! Ich melde mich auch mal wieder. Sorry, dass ich den Informationsgehalt so gering halte, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass nach dem ersten Fluss von Eindrücken nicht mehr so viel zu berichten übrig bleibt, und so die Beiträge seltener und seltener kommen. Dem möchte ich vorbeugen, indem ich im Moment nur alle zwei bis drei Tage etwas schreibe. So habe ich gleichzeitig etwas Zeit, um über meine Erlebnisse ein wenig zu reflektieren, bevor ich einfach alles unbedacht aufschreibe, und wohlmöglich ein falsches Bild von Kenia vermittle.
Das hier wird der erste Eintrag, in welchem ich konkret über meine Lebenssituation schreibe, also hier ein kleiner Disclaimer vorran:
Alles hier sind meine individuellen Erfahrungen, ich erlebe alles auf meine Weise und berichte ebenso subjektiv. Kenia ist unglaublich divers und komplex, meine Erlebnisse werden davon geformt, mit welcher Art von Menschen ich in Kontakt komme. Daher: Macht euch bloß kein Bild von „ganz Kenia“ oder gar „dem einen Afrika“ durch den Kram hier!!!!! Schließt nicht von mir auf euch und auf diejenigen, denen ihr begegnet!!!!!!!!!!!!!
Klar? Gut! Dann kann’s ja losgehen:
Ich wohne bei einer Familie denen ein Bauernhof gehört. Wenn ich morgens aufwache, dann geschieht dies zum Hahnenkrähen. Meine Morgenroutine besteht darin, dass ich etwas im Bett liegen bleibe und lese, da ich die letzten Tage noch nicht ins Projekt musste. Irgendwann richte ich mich auf, kämpfe mich aus dem Moskitonetz hervor und gehe aus meinem Zimmer, dass von meinem Bett und einem Sofa, auf welches ich meine Sachen stapele, dominiert wird, auf den kleinen Hof vor dem seperaten Gästehaus, in welchem ich lebe. Ich gehe auf dem Hinhock-Plumpsklo außerhalb des Hauses auf Toilette, fülle mir eine 7 Liter Wanne mit Wasser (falls es früh genug Wasser gibt) und kippe die mir nach und nach über den Körper – meine Dusche.
Dann gehe ich den ca. 30 Meter Weg zum Haus meiner Gastfamilie, wo es Frühstück gibt. Bisher habe ich das Essen immer serviert bekommen, was, wie ich vermute (aber ich kann auch falsch liegen), daran liegt, dass ich im Moment noch stärker als Gast und noch nicht als Teil der Familie angesehen werde.
Meine Gastfamilie ist sehr groß. Und damit meine ich wirklich groß. Ich habe mir sagen lassen, dass man, wenn sich alle zu Weihnachten versammeln, einen Haufen von 30 Leuten hätte. Ich hab noch nicht annähernd einen Überblick über Namen oder wer tatsächlich zur Familie gehört und nicht einfach nur kurz vorbeischaut und auf eine Tasse Tee eingeladen wird.
Zu Tischmanieren in Kenia gehört auf jeden Fall, dass man sich vor und nach dem Essen die Hände wäscht, denn man ist mit denselben, und Hygiene und Sauberkeit sind essenziell, alles andere wäre nicht nur infektionsgefährdend, sondern auch noch unhöflich. Das Gericht, auf welches alle Freiwilligen abfahren, nennt sich Chapati, pfannkuchenartiges Fladenbrot, nur etwas bissfester. Den Kram kann man dann beispielsweise benutzen, um einen Bohnensud aufzulöffeln. Ebensfalls lohnenswert ist Ugali, ich weiß aber gerade nicht, wie ich es beschreiben soll, also googelt es einfach.
Wir vier Taveta-Freiwillige haben zusammen mit unserer Kontaktperson am Mittwoch den Markt besucht, schulgerechte Kleidung und einige Früchte gekauft, zum ersten Mal Zuckerrohr gegessen und sind an einem störrischen ATM verzweifelt. Wir haben einige Personen getroffen, die für Sicherheit und Bildung in unserem County verantwortlich sind, haben sehr viele Hände geschüttelt (Uns wurde erzählt, dass man Hände beim Begrüßen, beim Verabschieden und immer mit jeder Person im Raum schüttelt). Am Donnerstag haben wir dann eine Tour durch all unsere Schulen gemacht, wieder viele Hände geschüttelt, und uns vorgestellt. Danach waren wir noch in der Stadt (Taveta Town) beim Schneider und bei einem etwas flexibleren ATM.
Heute war mein erster Tag in der St. Patrick’s Kimala Primary School. Während der morgendlichen Assembly wurde ich den Schülern vorgestellt und einen so warmen Empfang, wie ich ihn von meiner Schulleiterin erhalten habe, hätte ich es mir nie erträumen können. Ich habe noch nicht unterrichtet, aber ich habe erfahren, dass ich ab nächster Woche Sport und Creative Arts tatsächlich unterrichten werde und nicht nur daneben stehen und Fragen beantworten werde.
Ich habe ausversehen mein Handy gesperrt und, da ich meine neue PIN noch nicht auswendig kenne, war ich dadurch einen halben Tag lang von elektronischer Kommunikation abgeschnitten….oh neeeeeiiiiiiin!
Dann war ich halt gezwungen, mit meinen künftigen Kollegen zu quatschen, während ich mich auf den Unterricht nächste Woche vorbereitet habe.
Der Präsident von Simbabwe, Robert „Uncle Bob“ Mugabi, ist verstorben. Kam gerade in den Nachrichten. Ich muss mich mal mit der Politik diverser afrikanischer Staaten auseinandersetzen. Dringen eigentlich Nachrichten über die xenophobische Attacken in Südafrika nach Deutschland durch? Das ist nen echt großes Thema hier.
Das wär’s mal wieder von mir; Appell der Woche: seid keine xenophobischen Arschlöcher!