Geschichten üben seit jeher eine Faszination auf die Menschheit aus. Jeder scheint davon zu träumen, seine eigene Realität zu verlassen und sich für kurze Zeit den Kopf nicht über die eigenen, sondern die Probleme anderer zu zerbrechen. Das Weitergeben von Wissen hat die Menschheit erst dazu gebracht sich so weit entwickeln zu können, da wir nicht Generationen lang alle vom gleichen giftigen Baum gegessen haben, sondern eines Tages jemand auf die grandiose Idee kam, seinen Freunden zu sagen: „Hey, esst das lieber nicht, mein Opa ist davon verreckt!“
Das scheint ja jetzt an sich noch nicht so revolutionär, jedoch wächst die Bedeutung dessen, was uns Andere zu erzählen haben, mit der Geschwindigkeit, in der sie dies tun können. Und noch nie war Informationsübertragung so rasant wie jetzt, genau in diesem Moment. Jede Sekunde gibt es neue Innovationen, welche die digitale Hetzjagd nach neuem Input immer weiter anheizen.
Doch das ist alles nichts Neues, die Welt des internationalen Austauschs dreht sich immer schneller, Twitter, Instagram und TicToc beherrschen die Meinungen der Jugend bla bla bla…
Was genau hat also gleichzeitig so viel Potenzial und vermag ebenso viel Schaden anzurichten?
Achtung, es wird theoretisch!
Meiner Meinung nach ist es der vollkommen bewusste und berechnende oder eben der tollpatschig, naive Umgang mit den Möglichkeiten die uns durch alle Tools des Internets in die Hand gelegt werden. Die normale Schnittstelle zwischen einem Individuum und der Information, welche dieses erlangen will, ist nur die subjektive Perzeption und wird einzig durch das menschliche Auffassungsvermögen, sowie mögliche, natürliche, Hindernisse (wie etwa fehlendes Licht, obwohl man gerade ein Buch lesen möchte), gestört. In einer Konversation verhält sich dies schon anders, denn hier kann zum einen der Sender der Nachricht entscheiden, wie er sie präsentiert, dies wird allerdings maßgeblich von seiner Interpretation der Nachricht vor dem Hintergrund seiner individuellen und kulturellen Prägung beeinflusst. Hinzukommt, dass ihm bei der Entsendung der Nachricht Fehler unterlaufen und er gegensätzliche Signale sendet oder er den Sinn hierdurch komplett verändert.
Eine dritte Möglichkeit der Fehlerbildung ist die Art, wie (gut) der Empfänger das Signal aufnimmt, er kann beispielsweise etwas akustisch nicht oder falsch verstanden haben.
Zu guter Letzt besteht die Option, dass der Empfänger die Nachricht des Entsenders falsch interpretiert. Dies kann darauf fußen, dass beide über unterschiedliche Werte und Normen verfügen, die beim Auswerten von Daten eine wichtige Rolle spielen.
(All das stützt sich zum Großteil auf dem Sender-Empfänger-Kommunikationsmodell von Warren Weaver und Claude E. Shannon)
All diese Fehler multiplizieren sich mit der Anzahl der Informationsübertragung. Missverständnisse dieser Art wirken sich in einem Bereich der Kommunikation besonders stark aus, im Internet, denn wo sonst gibt es mehr Hörensagen. Jegliche Information wird unzählige Male geteilt, bis der Ersteller nicht mehr auffindbar ist. Auch der kulturelle Unterschied zwischen Empfänger und Sender wird umso präsenter, da Entfernung in der modernen Kommunikation keine Rolle spielt. Auch der Mangel an Körpersprache in einem Gespräch kann Gesagtes verdrehen, die Alternative der Emojis funktioniert manchmal exzellent, manchmal eher dürftig, da sie von allen Parteien unterschiedlich interpretiert werden können.
Theorie Ende
Was will ich damit also Sagen?
Seid euch bitte immer ganz genau bewusst, dass alles jederziet durch unsäglich viele Filter betrachtet wird. Es kann überall zu Missverständnissen kommen und häufig durchläuft eine Information heutzutage so viele Schnittstellen, dass sie beim Empfänger verzerrt, wie nach einer Runde Stille Post, ankommt. Das soll jedoch nicht heißen: Traut niemandem mehr, alles voller Fake News, niemand hat eine Ahnung und jeder will euch beeinflussen, ganz im Gegenteil. Für einen verantwortlichen Umgang mit modernen Meiden muss man sich so viele Kanäle wie nur möglich offenhalten mit möglichst vielfältigen Hintergründen, keiner Quelle von Anfang an jegliche Legitimität absprechen, jedoch jeder mit einer Art analytischem Respekt begegnen. Auch Printmedien können sich irren und auch „alternative Quellen“ können fundierten Journalismus betreiben, aber wendet euch bloß nicht von den, im allgemeinen als seriös angesehenen, Zeitungen und Nachrichtensendern ab, denn unfundierte Paranoia und trotziger Widerstand gegen die Großen heflen auch nicht. Sprecht jedem das Potenzial zu, einen Teil der Wahrheit zu verbreiten, aber traut bitte nie der versprochenen Unfehlbarkeit. Und nutzt immer mehrere Quellen!
Bye bye! Und angenehmen Tag noch 🙂