Gestern Mittag hatte ich noch nicht wirklich eine Idee, worüber ich heute schreiben sollte. Neben dem Alltag ist nur wenig passiert, was den Fokus eines ganzen Blogeintrags gerechtfertigt hätte.
Montag war ein öffentlicher Feiertag, also saß ich mal wieder einfach nur rum. Zumindest hat das Hausmädchen meiner Gastfamilie (ja, die haben ein Hausmädchen) und mein Gastneffe ein wenig am Rad gedreht: ca. um ein Uhr mittags guckten sie aus dem Fenster und liefen nach draußen. Dort lag ein Vogelkücken auf dem Boden, aus dem Nest gefallen.
Ich habe mal gehört, dass die grundlegend wenig Chance auf Überleben haben, da sie tendenziell nicht von ihren Eltern gerettet werden. Das ist jedoch kein Grund, das Vöglein reihenweise in die Hand zu nehmen, herumzureichen, ihm im Gefieder herumzupicken und alles hier- und dorthin zu drehen und wenden. Das fand das Kücken auch, es pickte der Person, die es gerade hielt nämlich auf der Hand herum.
Ich schlug vor, es endlich wieder auf den Boden zu setzen, was das Hausmädchen dann auch gemacht hat, leider zu spät. Der Vogel hatte nicht mal mehr die Kraft, sich hinzuhocken sondern lag sackgleich, mit nutzlosen Füßen. Er bekam spastische Zuckungen und war nach circa zwanzig Sekunden tot. Begleitet vom ausruf: amekufa (er ist gestorben) – nein, er wurde ermordet – wurde dann der Leichnam aufgenommen, und an einem Flügel unter Lachen durch die Luft geworfen und als Puppe benutzt. Der Hund durfte den Kopf abbeißen, wurde dann jedoch mit Tritten und Steinwürfen weggescheucht. Tierschutz for the win!
Dann durfte ich Dienstag morgen verschimmeltes Brot essen, aber ich hab’s rechtzeitig gemerkt.
Die Schule war Dienstag und Mittwoch sehr amüsant, wenn auch nicht signifikant ereignisreich.
Mittwoch Abend ging’s dann richtig los. Ich bin um sieben Uhr nach Hause gegangen. Grundlegend ein einfacher Plan, aber ich hatte mehrere Hindernisse, die ich irgendwie überwinden durfte: es war schon dunkel, mein Handy hatte noch 6%, es hatte den ganzen Tag geregnet, der Weg war also schlammig und ich hatte meine Business Schuhe an, Schuhe wo sich jemand Mühe gegeben hat, dem Träger so wenig Halt wie nur irgend möglich zu geben.
Ich breche also auf, Taschenlampe des Handys angeschaltet, stoße allerdings bald auf die erste ernsthafte Hürde neben gelegentlichen Wegrutschen: der Graben der unbefestigten Straße, auf welche ich einbiegen wollte, hat sich zu einem beeindruckenden Fluss entwickelt. Ich überlege, einfach einen großen Satz zu machen, verwerfe die Idee jedoch, da die Distanz doch etwas kritisch ist und ich aufgrund des Matsches garantiert ausgerutscht wäre. Alternative: Schuhe ausziehen und einfach durch. Ein kurzer Blick auf mein Handy verrät mir, dass keine Zeit für weitere Überlegungen bleibt, noch 1%. Also: raus aus den Puschen, Schuhe hochheben, Schuhe in den Matsch schmeißen…. Warte mal, das war nicht der Plan…. egal. Durch das Wasser waten und irgendwie durch das glitschige Ufer auf die Straße kommen. Und das keine Sekunde zu früh, gerade als ich mich entschließe, barfuß weiterzugehen, schaltet sich mein Handy aus.
Wunderbar! Auf der Straße war das kein Problem, nicht viele Steine und relativ frei von bissigen Insekten. Zudem hatte ich eine Fußschutzschicht aus Schlamm.
Als mein Weg mich jedoch auf einen kleineren Pfad mit vielen kleinen Stöcken führt, fällt mir ein, dass mein Kindle (notwendig, kein Luxus, wenn man vor Langeweile nicht sterben will) noch einen gefüllten Akku hat. Da ich recht wenig Lust auf einen Pfahl im Fuß wie in der Verfilmung von Tschick hab, drehe ich das Display voll auf; neue Taschenlampe gefunden. Dem Stolpern ist dennoch kein Abriss getan und nach der Überwindung der wohl größten Pfütze in der Küstenregion Kenias ziehe ich meine Schuhe wieder an.
Zum Glück nimmt mich ein Motorradfahrer für die letzten 10 Minuten mit, ich komme also rechtzeitig zum Abendessen nach Hause, muss mich allerdings erstmal umziehen. Sorry, dass es keine Fotos gibt, aber mein Handy war aus, remember?
Heute (Donnerstag) gab’s eine Lehrerkonferenz, etwas wirklich spannendes ist nicht passiert.
Jo, Bye! Schönen Tag noch!