Mist, schon wieder verspätet. Ich verspreche hoch und heilig, dass ich morgen was poste und dann wieder im normalen Rhythmus drin bin. (Eine gehässige Stimme in meinem Unterbewusstsein flüstert: Ha! Wer’s glaubt!)

Auf der anderen Seite muss ich halt immer drauf warten, dass genug passiert, sodass sich ein neuer Eintrag lohnt. Nach der dramatischen Wohnungskrise am Samstag haben acht von uns im Manyatta Backpackers Hostel eingecheckt. Das war meine erste Erfahrung in einem Hostel und die erste Nacht hab ich noch nicht wirklich viel vom ’normalen Flare‘ mitbekommen, da außer unserer Gruppe niemand sonst da war. Samstag Nachmittag habe ich mich einer dreiköpfigen Gruppe AFSlerinnen angeschlossen, die den Masai Markt besuchen wollten. Auf der Suche nach einer Bank ohne Abhebungsgebühren und dann dem Markt selbst wurden wir jedoch so hungrig, dass wir erstmal eine Pizza verschlungen haben.

Der Masai Markt (auch Maasai, Massai oder Maassai) war in der Nähe des KICC, nicht da, wo er auf Google Maps, unserer primären Orientierungshilfe, angezeigt wird. Dort findet man einen großen Haufen Stände, wo Masai, wannabe-Masai und ich-tu-noch-nicht-mal-so-als-wäre-ich-einer-Masai den Besuchern Schmuck, Kleidungsstücke, Decken, Holzfiguren, traditionelle Instrumente und Gemälde andrehen wollen. Die Vielfalt an dabei zum Einsatz kommenden Methoden hat mich echt überrascht. Am gewagtesten, aber auch am interessantesten, fand ich einen Verkäufer, der auf mich zukam und meinte, ihm gefalle mein Armband (ein x-beliebiges Werbegeschenk/Gummiarmband). Er schleppte mich zu seinem Stand und meinte, ich könne mir eines seiner Armbänder aussuchen und wir würden tauschen. Als ich mich für eines entschieden hatte, sagte er natürlich, ich müsse draufzahlen. Ready, Steady, Fight! Das feilschen geht los! Sein Startgebot 1000KSH (9€); ich: 250KSH. Hab’s am Ende für 300KSH bekommen, da bemerkt man mal, wie hart die normalen Touristen abgezogen werden. Zwei Minuten später hat ein anderer Verkäufer wieder auf eines meiner Armbänder (meine Handgelenke sind sehr stark behangen) gezeigt……

Lange habe ich es da nicht mehr ausgehalten, da man echt auffällt und Aufmerksamkeit auf sich zieht als 1,94 Meter großer, langhaarige Hellhäutiger (oder, um es für die unkomplizierter zu machen, die sich nicht mit Debatten über politische Korrektheit aufhalten wollen: Weißer).

Ich bemerke selbst, dass ich bezüglich Begrifflichkeiten etwas abstumpfe. Ich denke, ich werde mich mit der Terminologie, die ich nutzen will und die möglichst unverfänglich für meine Mitmenschen sein soll, mehr außeinander setzen, sobald ich nicht mehr jeden Tag darauf hingewiesen werde, dass ich ein mzungu (Weißer) bin.

Samstag Nachmittag konnte ich endlich mal wieder einfach nur rumhängen. Das hat mein Körper echt gebraucht.

Den Sonntag habe ich unabhängig von meiner Gruppe verbracht und bin mit einem Spanier, den ich im Hostel kennengelernt habe, ins Nairobi Arboretum, technisch gesehen ein großer Garten mit vielen verschiedenen Bäumen, gegangen.

Ein Pfad im Nairobi Arboretum

Im Anschluss daran haben wir erneut versucht den Masai Markt zu finden, wurden während der Suche allerdings auf der Straße angesprochen: „You looking for Masai Market? I show you Masai Market.“ Der Typ hat uns in den ersten Stock eines Innenstadrhauses gebracht wo ein Raum vollgestopft mit ähnlichen Waren, wie ich sie schon am Samstag gesehen hatte, war. Dieser Shop war natürlich der echte Masai Markt, wer würde jemals daran zweifeln. Wir hatten trotzdem Spaß damit, dem Verkäufer zu erklären warum wir denn heute nichts kaufen würden.

Der Montag war der Verlängerung des Visums beim Integration Office verschrieben. Es war auf jeden Fall interessant, sich zuerst eine Wartenummer zu ziehen, und diese dann komplett zu ignorieren und sich „aktiv anzustellen“.

Nach den Formalitäten haben wir uns eine Weile in den wahrscheinlich unangenehmsten Teil des Uhuru Parks gesetzt, danach haben sich drei Mädels der AFS Gruppe neue Piercings stechen lassen und ich hab mir ein Tattoostudio angesehen, nachdem ich kurz in einem Musikgeschäft verschwunden bin und zwei Gitarren angespielt habe.

Am frühen Abend habe ich mich in ein Matatu nach Kitengela, einem Städtchen etwas außerhalb gesetzt und habe für zwei Stunden meine Gastschwester Navo, ihren Mann und deren zwei Wochen alte Zwillinge besucht.

Und heute sitze ich im Bus nach Voi, von wo aus wir ein Matatu nach Taveta nehmen. Trautes Heim, Glück Allein. Abgesehen davon, dass die Person, bei der meine Freunde gestern die Tickets gekauft haben, für abends und nicht morgens gebucht hat, wir also Umbuchungskosten zahlen mussten, und wir den ersten Bus verpasst haben, sind wir voll entspannt, gemischt mit ein wenig Langeweile auf der sechs Stunden Fahrt.

Bye Bye!

Veröffentlicht von julian

Hi, I'm Julian (18yo) from Germany and currently staying in Kenya for a year.

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