Am Donnerstag morgen haben wir den Plan gefasst, kaum in Taveta angekommen, am kommenden Tag (Freitag für die ganz ’smarten‘ – die Formulierung ist irgendwie hängen geblieben, alles ist smart) schon wieder loszufahren. Zwar nur für’s Wochenende, aber dadurch hatten wir schon das Problem, dass nicht genügend Zeit blieb, den angestauten Berg an Dreckwäsche wenigstens anzukratzen. Donnerstag morgen haben wir es trotzdem versucht, waren dafür allerdings ein wenig dem Zeitplan hinterher und schon anfänglich erschöpft. Wir hatten für den Tag große Ziele: erinnert ihr euch, werte Leser*innen, an den Lake Challa, den ich jetzt schon zwei Mal (hier habe ich vom ersten Mal erzählt) besucht habe? Diesmal wollten wir hinlaufen.
Den wahnsinnig komplizierten Weg kennen wir mittlerweile ja, nachdem man das Dorf verlassen hat, geht es eigentlich nur noch geradeaus, wir haben unabhängig voneinander für Proviant gesorgt, also hatten wir am Ende genug Toast, Mandazi (einfaches Teiggebäck) und Bananen für ein mehr oder weniger reichhaltiges Mittagessen am See. Mit unseren absolut stylischen Bandanas, die wir am Vortag auf dem Markt erworben hatten, sind wir knapp zweieinhalb Stunden durch die Hitze gestapft, haben uns unterwegs Bonbons gekauft, Musik gehört und versucht auf der sengenden Straße barfuß zu laufen. Larissa hat er fünfzehn Minuten durchgehalten (Mein Vergleichswert: 1 Minute, meine Füße sind ja mal so gar nicht abgehärtet), sie hatte am nächsten Tag jedoch eine Brandblase auf der Sole.
Schließlich konnten wir erneut das erhabene Spiegelblau des Challa Sees bestaunen, und haben uns für einige Stunden in den Schatten der Bäume gelegt, gequatscht und unsere Vorräte vernascht. Gegen Ende sind Jana und ich noch mal in den See gehüpft, die Gelegenheit kann man einfach nicht auslassen.

Für den Rückweg haben wir uns Bodas gerufen, es wurde schon spät und wir sollten zu Hause sein bevor es dunkel wird (wir sind keine zwölf mehr, aber im Umgang mit der Gastfamilie muss man manchmal echt einstecken können). In Town haben wir noch schnell Schuhe von unserem Lieblingsschuhmacher reparieren lassen und die Tickets für den Bus am nächsten Morgen gekauft, bevor wir nach Hause gefahren sind und für meine Familie ein vegetarisches Curry mit Avocado und Zucchini Anteilen, aber dafür ohne Curry, gekocht haben. Es wurde so semi-begeistert angenommen, ohne Ugali am Abend wird man nicht satt, deshalb hat sich James, einer der Erntehelfer meiner Familie, einen zweiten, randvoll gefüllten Teller Ugali geholt. (Hab ich schonmal erklärt, was Ugali ist?)
Am Montag „Morgen“ um 10 Uhr standen Jo-Ann, Larissa, Jana und ich an der Straße und warteten auf den Bus nach Mombasa, von wo aus wir nach Diani Beach weitertuckern wollten. Jana hat uns dabei nur tschüss gesagt, sie war für Sonntag auf eine Hochzeit eingeladen und wollte das selbstverständlich annehmen. Die Busfahrt nach Mombasa verlief größtenteils ruhig, aber ereignislos. Ein kleines Mädchen, das einen Platz vor mir saß, hat für ein wenig „Auflockerung“ gesorgt, indem es zwischendurch angefangen hat, rhythmisch mit dem Kopf gegen ihren Sitz zu donnern, und, etwa eine Stunde vor dem Ziel, auf den Boden des Busses gekotzt hat. Lecker. Die Mom daneben auch nur so: immer schön den Kopf vorne halten, damit du dich nicht auf dich selbst sondern auf die Füße der Person hinter dir (wer war das gleich, ach ja…. Ich!) übergibst, hat dann aber keinerlei Anstalten gemacht, das Fenster zu öffnen oder ein bisschen sauber zu machen. Geschweige denn, nachzudenken und im Vorfeld eine Tüte mitzubringen.
Sobald wir dieser stinkenden Hölle entkommen sind, haben wir noch ein paar Kleinigkeiten in Mombasa erledigt, bis wir dann mir einer sensationell überfüllten Fähre eine Einbuchtung überquert haben.

Von dort aus haben wir dann ein Matatu nach Diani Beach genommen, auf dem Weg zeitgerecht wie eh und je die Unterkunft gesichert und sind komplett im Eimer um 18:30 angekommen. Wir haben es irgendwie geschafft, dass das günstigste Zimmer, welches wir gefunden haben, da die Couchsurfer und Airbnbs sich nicht gemeldet haben, für einen völlig annehmbaren Preis einen Balkon, eine Dusche, fünf Minuten zum Strand, gemeinsame Küche plus Kühlschrank und einen Pool! beinhaltet hat. (Außerdem waren wir die einzigen Gäste im Haus, hatten also das Paradies für uns). Den restlichen Abend waren wir für nicht mehr viel zu gebrauchen, wie haben uns noch Jogurt als Abendessen gekauft und ab ins Bett.
Der Samstag morgen war leider nicht ganz so erfreulich, Larissa und Jo-Ann haben mich ins örtliche Krankenhaus begleitet, wo ich mir nach zwei Stunden warten Paracetamol für auftretende Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und allgemeine Zermatschtheit habe aufschwatzen lassen. Den Nachmittag sind wir an den Strand gegangen, ich habe mich unter einen Felsen gelegt und abwechselnd gelesen und geschlafen, während die anderen beiden spazieren und schwimmen gegangen sind. Ich führe gar nicht erst aus, wie unbeschreiblich schön der Strand war, schaut es euch einfach selbst an:

Samstag Abend wurde ganz amüsant, wir haben Larissa mit zwei Nagelscheren die Haare geschnitten und dann noch Karten gespielt. Der Sonntag folgte einem ähnlichen Muster wie Samstag, nur ohne einen unangenehmen Gesundheitszwischenfall. Dieses Mal bin auch ich schwimmen gegangen, wir waren an einer anderen Stelle, wo wir, im Gegensatz zum vergangenen Tag, nicht die ganze Zeit von Kokosnuss-Verkäufern angequatscht wurden. Dort haben wir uns einen Unterstand aus Ästen und unseren Tüchern gegen die erbarmungslos brutzelnde Sonne gebaut. Gegen Abend wurden wir Zeugen, wie zwei ruhestandsnahe Pariserinnen mit ca. 30 Jährigen Kenianern angebändelt haben, echt ekelhaft. Wir hatten vor, an dem Abend früh ins Bett zu gehen, da wir am nächsten Morgen um vier Uhr aufstehen und uns für den Zug (der ist viel besser als der Bus) fertig machen mussten, jedoch haben wir es weder geschafft, den Abend früh zu beenden, noch am nächsten Morgen vor fünf aufzustehen, den Zug haben wir trotzdem gekriegt.
Das war mein Wochenende unter den Palmen, auf dem Strand und an den Wellen bei 32°C. Ach ja, frohen ersten Advent.