Ja hallo allerseits und willkommen zurück. Es gab jetzt ja eine grandios lange Pause, dafür muss ich mich entschuldigen. Letzte Woche ist bis Freitag einfach wirklich gar nichts mehr passiert und ich hatte leider kein Gedicht mehr auf Vorrat. Freitag morgen bin ich ganz normal aufgestanden, dann habe ich mich jedoch, anstelle zur Schule zu gehen, an die Hauptstraße gestellt und bin mit einem Matatu zuerst nach Voi und dann nach Nairobi gefahren.

Dort haben sich nämlich alle AFSler*innen aus Kenia, die ein volles Jahr machen und nicht unglücklicherweise erkrankt sind, zum sogenannten Midstay Camp getroffen, Halbzeit des Aufenthalts.

Beim, nebenbei bemerkt sensationell guten Abendessen, konnte gefühlt niemand ausreden, so viel wollte jeder von uns erzählen. Es war ein kolossales Durcheinander, war jedoch überwältigend, diese mittlerweile so intensiv ineinander verzweigte Gruppe wieder vereint zu sehen. Das Highlight war, dass wir Besuch von einem unserer Teamer aus der Vorbereitung in Deutschland bekommen haben. Er hat uns Schwarzbrot und Aufstrich mitgebracht, aber das wurde natürlich durch seine Anwesenheit komplett in den Schatten gestellt (war aber trotzdem sehr nett).

Nachdem wir durch das dort verfügbare WLAN vermutlich alle nicht soooo lange geschlafen hatten und Frühstück mit getoastetem Toast und Omlettes genossen haben, ging es mit einer Begrüßung der AFS-Kenia Mitarbeiter*innen und Freiwillig*innen los, wonach jeder aus der Gruppe eine bis 15-minütige Presentation hielt, welche die allgemeinen Erlebnisse in Projekt und Gastfamilie, aber auch schon Probleme und Herausforderungen thematisierten.

Ich bin sehr positiv überrascht von der Stimmung, die auf dem Seminar geherrscht hat. Ich hatte leider erwartet, dass viel unterschlagen und ein falsches alles-ist-okay-Lächeln gezeigt wird, aber die meisten haben das, was ihnen wirklich gegen den Strich ging, ob von AFS verschuldet oder nicht, offen ausgesprochen. Wir haben noch mehrere Einheiten mit jeweils speziellerem Fokus behandelt, unterbrochen von wahnsinnig gutem Essen und endlich wieder herausfordernden Gesprächen. Unsere Gruppe ist wahrscheinlich als Seminargruppe echt anstrengend, weil wir jede Anregung nochmal in Zwei- oder Dreiergruppen besprechen, aber dadurch haben wir mal wieder echt viel voneinander erfahren.

Ich habe multiple Strategien mitgenommen, bezüglich sowohl der Freizeitbeschäftigung als auch Wege, wie ich aktiv die körperlichen Bestrafungen an meiner Schule angehen kann und kann es kaum erwarten, sie umzusetzen. Gleichzeitig ist meine Einstellung gegenüber Taveta mal wieder an einem Tiefpunkt angekommen, eben weil ich realisiert habe, wie grauenhaft das Projekt in dem momentanen Zustand ist, aber das wird hoffentlich nicht von Dauer sein.

Ich muss im Lauf der nächsten beiden Monate noch zwei Mal nach Nairobi für den Langzeitvisumsantrag, ich freue mich natürlich auf die Fahrkosten, allerdings werde ich so die Möglichkeit haben, bei meinen Gastbrüdern und einem Freund in Nairobi vorbeizuschauen.

Am Montag bin ich dann mit Jula, der Freiwilligen aus Bungoma, die wir hier besucht haben, sehr lange nach Wundanyi, einer etwas größeren Stadt im Taita-Taveta County gefahren und haben Rike, die Studentin aus diesem Beitrag, wer sich erinnert, besucht.

Heute haben wir den größten Teil des Tages rumgehangen und gequatscht, Rike und ich haben ein wenig Gitarre gespielt und sind zum Markt in Wundanyi gegangen. Ich habe mir endlich ein Schnitzmesser kaufen können und bin sehr froh darüber. Außerdem habe ich mich dazu überreden lassen, mir zwei Extension-Strähnen einflechten zu lassen, die Rike noch übrig hatte, eine in schwarz und eine in weiß.

Ich hoffe, dieser Eintrag hat euch ein wenig für die lange Wartezeit entschädigt. Hier noch eine Bandempfehlung: Dream Theatre.

Veröffentlicht von julian

Hi, I'm Julian (18yo) from Germany and currently staying in Kenya for a year.

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